Taizé

Kleiner Ort mit großer Bedeutung

Taizé ist ein französisches Dorf nahe dem südburgundischen Cluny. Der Ort gilt als Symbol der ökumenischen Bewegung. Er ist Sitz einer ökumenischen Bruderschaft, die zum Treffpunkt für Jugendliche aus der ganzen Welt wurde. Ihr gehören rund 100 Brüder aus mehr als 25 Ländern an, die aus verschiedenen evangelischen und aus der katholischen Kirche stammen.

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© KNA
Abendgebet mit Frere Alois, Prior von Taize, (2.v.re.) während des Europäischen Jugendtreffens 2016 in Riga

Seit im August 1974 Zehntausende zu einem „Konzil der Jugend“ nach Taizé kamen, veranstalten die Brüder regelmäßig Jugendtreffen in allen Teilen der Welt. Jährlich findet über Silvester in einer europäischen Großstadt ein Taizé-Treffen statt. Geleitet wird die Bruderschaft von dem deutschen Katholiken Frère Alois (Löser). Der heute 64-Jährige wurde 2005 Nachfolger des während eines Abendgebets von einer vermutlich psychisch kranken Frau getöteten protestantischen Gründers Frère Roger (Schutz).

Der gebürtige Schweizer Schutz (1915-2005) hatte Taizé erstmals im August 1940 besucht. Er gründete dort 1944 eine geistliche Gemeinschaft, die sich eine Aussöhnung zwischen den Konfessionen, europäische Verständigung und einen einfachen Lebenswandel zum Ziel setzte. 1949 legten sieben Männer aus Kirchen der Reformation Ordensgelübde ab. Sie versprachen Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam.

Die Gemeinschaft, die bald Freunde in unterschiedlichen Kirchen und zahlreichen Ländern Europas hatte, weihte 1962 eine moderne „Kirche der Versöhnung“ ein, die seitdem der Mittelpunkt von Taizé ist. Die Bruderschaft gründete Niederlassungen in mehreren Ländern und nahm 1969 erstmals katholische Brüder auf. Schwerpunkt der Arbeit ist neben der Ökumene die Solidarität mit den Armen und Rechtlosen in der Welt.

41. Europäisches Jugendtreffen vom 28. Dezember 2018 bis 1. Januar 2019 in Madrid

Tausende junger Menschen kommen zu einer neuen Etappe des „Pilgerwegs des Vertrauens auf der Erde“ zusammen, den Frère Roger Ende der siebziger Jahre begonnen hat.
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Kardinal Marx: Ökumenisches Gebet und Zeugnis

Anlässlich des 75. Jahrestages der Gründung der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Spiritualität und das Glaubenszeugnis von Taizé gewürdigt. „Wir sind dankbar für das, was von Taizé über so viele Jahre in die Welt ausstrahlt. Das ökumenische Gebet und das Zeugnis für Gott in dieser Gesellschaft sind unverzichtbar. Das lebt Taizé mit seiner Gemeinschaft glaubwürdig vor“, so Kardinal Marx im Jahr 2015.

„Gerade für eine junge Generation hat Taizé bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Es ist gut, wenn wir solche Orte haben, an denen sich Jugendliche mit ihrem Glauben auseinandersetzen und die Gemeinschaft in Christus erfahren können,“ sagte Kardinal Marx zum Tod von Frère Roger. „Damals begann gerade der Weltjugendtag in Köln als Frère Roger gewaltsam den Tod fand. Erschüttert von dieser Tat haben tausende Jugendliche auf der ganzen Welt für den Verstorbenen gebetet. Sein geistliches Erbe wirkt bis heute weiter.“ Von Taizé aus erhofft sich Kardinal Marx auch künftig starke Impulse: „Als Christen bauen wir gemeinsam an dem einen Haus Europa. Gerade das versucht der Ort Taizé zu vermitteln. Am 75. Gründungstag von Taizé wünsche ich der Gemeinschaft Gottes Segen und einen weiter guten Weg im Sinne ihres Gründers.“ (Pressemitteilung 16. August 2015)

Beten, singen, fröhlich sein

An diesem Ort klingen die Glocken nicht anders als in Spanien oder am Oberrhein. Allerdings strömen dort auf das Signal hin junge Menschen zu Hunderten in eine Kirche. Sie setzen sich in Jeans und Flip Flops auf den ausgelegten Filz – Stühle gibt es keine. Manche tragen eine kleine Bibel bei sich, andere auch mal einen schweren Gedanken. Obwohl ihre Sprachen und Konfessionen unterschiedlich sind, hier finden alle eines, was sie verbindet: Das gemeinsame Gebet. Ein gewöhnlicher Abend in der Jugendpilgerstätte Taizé.

Anstelle eines Ortes der Stille und Einkehr gleicht das französische Dorf Taizé in der Sommerzeit einer Mischung aus Zeltlager und Festival. Tausende junge Menschen aus der ganzen Welt besuchen diesen Ort, suchen das Gespräch mit den Brüdern, wollen reden, singen, Freunde finden, ihren Glauben leben. Dass sich hauptsächlich Menschen zwischen 19 und 25 Jahren in Taizé auf die Suche nach Gott machen und weniger in ihrer Heimatgemeinde, dafür hat Frère Wolfgang eine einfache Erklärung: „Die Themen geistig groß darstellen, das ist nicht zielführend.“ Man wolle den Jugendlichen ein Gefühl für Kirche vermitteln, ohne sie zu erschlagen. In der Gemeinschaft wird dreimal am Tag gebetet. Zwischendurch hat jeder viel Zeit für sich selbst, geht aber auch einer Arbeit nach, hilft etwa beim Kochen, Putzen oder in der Vorbereitung von Bibelgesprächen.

Die Brüder kümmern sich derweil um die Anliegen der Gäste. „Viele haben Probleme und quälen sich. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie in sich selbst die beste Lösung finden“, erklärt Frère Alois. Vertrauen – und jungen Menschen etwas zutrauen: Das war ein wichtiges Anliegen des Gründers Frère Roger Schutz. In seinen Visionen war er seiner Zeit schon immer weit voraus. Sein Ziel war ein Europa, das sich intensiv austauscht. Dazu eine Gemeinschaft, in der Christen – gleich ob katholisch oder protestantisch – gemeinsam beten, ohne ständig ihre Verschiedenheit zu betonen.

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    Internetseite der Gemeinschaft von Taizé