Hl. Papst Johannes Paul II.

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© DBK/Kopp
Denkmal für Papst Johannes Paul II. vor dem St. Marien-Dom in Hamburg

Papst Franziskus würdigt Papst Johannes Paul II.

Mit einer Eucharistiefeier am Grab des hl. Johannes Paul II. hat Papst Franziskus am 18. Mai 2020 seinen vor 100 Jahren geborenen Vorgänger gewürdigt. In seiner Predigt bezeichnete Franziskus Johannes Paul II. als einen Mann des Gebets, der Nähe und der Gerechtigkeit. Gott habe vor 100 Jahren „sein Volk besucht“, indem er einen Menschen gesandt und vorbereitet habe, um Bischof zu werden und die Kirche zu führen, sagte Franziskus. Johannes Paul II. sei ein „Mann Gottes“ gewesen; als erste Aufgabe als Bischof habe er das Gebet angesehen. Die Nähe Gottes zu seinem Volk habe er nicht zuletzt durch seine zahlreichen Reisen vermittelt. Ausdrücklich nannte Papst Franziskus den Einsatz seines Vorgängers für soziale Gerechtigkeit, die Wahrung des Völkerrechts und den Frieden, aber auch seinen Sinn für Barmherzigkeit. „Er hatte gespürt, dass die Gerechtigkeit Gottes das Antlitz der Barmherzigkeit hat, diese Haltung der Barmherzigkeit. Das ist ein Geschenk, das er uns hinterlassen hat - die barmherzige Gerechtigkeit und die gerechte Barmherzigkeit“, so Papst Franziskus.

Friedensstifter, Seelsorger, Reisender, Nicht-Italiener

Am 16. Oktober 1978 wurde Karol Józef Wojtyła zum Papst gewählt. Nachdem sein Vorgänger, Papst Johannes Paul I., nach nur 33 Tagen Amtszeit überraschend verstorben war, wurde nach 455 Jahren zum ersten Mal wieder ein „Nicht-Italiener“ Papst. Doch seine Staatsangehörigkeit war nicht das Einzige, was ihn von seinen Vorgängern unterschied. Am 18. Mai 2020 wäre er 100 Jahre alt geworden.

Die Überraschung am 16. Oktober 1978 auf dem Petersplatz in Rom war groß, als man den Namen Karol Kardinal Wojtyła ausrief. Kardinal Wojtyła, zu diesem Zeitpunkt 58 Jahre alt, wurde in Wadowice, einer Kleinstadt bei Krakau, geboren. Somit war er Pole und wurde zum ersten osteuropäischen Papst der Kirchengeschichte. Damit wurde nicht nur eine über Jahrhunderte andauernde Tradition gebrochen, sondern auch ein Signal in die Welt geschickt, die sich zu diesem Zeitpunkt inmitten des Kalten Krieges befand.

Kardinal Wojtyła gab sich den Namen „Johannes Paul II.“ und bekannte sich damit zu seinen Vorgängern. Bekannt wurde er unter anderem wegen seiner vielen Reisen ins Ausland. Allein im Jahr 1979 hat er sieben Länder bereist, darunter Mexiko, die Vereinigten Staaten und Irland. Bei seinen Reisen war er den Menschen zugewandt und wenn er ein Land zum ersten Mal betrat, küsste er den Boden. Während seiner Amtszeit unternahm er insgesamt 104 Reisen, drei davon führten ihn nach Deutschland – in den Jahren 1980, 1987 und 1996.

„Die Idee der Freiheit kann nur da in Lebenswirklichkeit umgesetzt werden, wo Menschen gemeinsam von ihr überzeugt und durchdrungen sind – in dem Wissen um die Einmaligkeit und Würde des Menschen und um seine Verantwortung vor Gott und den Menschen“, sagte Papst Johannes Paul II. in seiner Abschlussrede beim Deutschlandbesuch 1996 am Brandenburger Tor. Freiheit, ein Thema, das ihm ganz besonders am Herzen lag. Obwohl er aus dem kommunistischen Polen stammte, machte er nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber dem Kommunismus. Immer wieder hat er sich für die Arbeiter in Polen stark gemacht, hoffte stets auf den Fall der Mauer in Deutschland und ein Zerreißen des Eisernen Vorhangs. Durch sein ständiges Appellieren an das Gewissen des Menschen und seine Gespräche mit Michail Gorbatschow (Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion von 1985–1991) hatte er einen maßgeblichen Anteil am Ende des kommunistischen Systems.

Papst Johannes Paul II. strebte wie kein Papst zuvor den Dialog zwischen den Religionen an. Im Jahr 1983 besuchte er als erster Papst ein protestantisches Gotteshaus, 1986 eine Synagoge und 2001 eine Moschee in Damaskus. In den Jahren 1986 und 2002 lud er zu Weltgebetstreffen der Religionen in Assisi ein, zu denen auch zahlreiche Kirchenführer erschienen. Papst Johannes Paul II. scheute sich nicht davor, Fehler, die Christen im Laufe der Zeit gemacht hatten, beim Namen zu nennen. Am 12. März 2000 sprach er das große „mea culpa“ bei einem feierlichen Gottesdienst im Petersdom und bat Gott um Verzeihung für alle Verfehlungen, die im Namen des Glaubens begangen wurden, allen voran an Juden, Frauen und Urvölkern.

Dass die Jugend eine wichtige Stimme ist und man ihr Raum zum Austausch geben soll, war dem ehemaligen Papst klar. So lud er zum Palmsonntag 1984 Jugendliche aus aller Welt ein, nach Rom zu kommen. Dieser Tag gilt als Ursprung des Weltjugendtages, Papst Johannes Paul II. als Initiator. Seitdem hat sich das internationale Jugendtreffen, zu dem sich Hunderttausende junge Menschen regelmäßig aufmachen, fest etabliert und bietet die Möglichkeit junge Gläubige aus aller Welt in lebendiger und bunter Atmosphäre kennenzulernen. Mehr lesen: Weltjugendtag 2019

In 27 Jahren Amtszeit hat Papst Johannes Paul II. viel verändert. Seine Spuren ziehen sich bis in die Gegenwart. Mit zahlreichen Enzykliken hat Papst Johannes Paul II. wesentlich zur Ausformung der theologischen Lehre beigetragen, die bis heute nichts an Gültigkeit verloren hat. Das politische Engagement dieses Papstes hat dazu geführt, dass die katholische Kirche durch den Heiligen Stuhl ein „global player“ geworden ist. Was Papst Paul VI. mit seiner Rede vor den Vereinten Nationen grundlegte, hat Papst Johannes Paul II. kontinuierlich fortgesetzt und ausgebaut. Das geeinte Europa ist heute ohne ihn ebensowenig zu denken wie zahlreiche Friedensmissionen, mit denen er versuchte, Kriege zu verhindern. Vor allem hat Johannes Paul II. das Papstamt „berührbar“ gemacht, weil er zu den Menschen ging, vor allem denen, die nicht nach Rom reisen konnten. Zu Recht wird er als „Volkspapst“ beschrieben.

Am 2. April 2005 ist Papst Johannes Paul II. nach langer Krankheit gestorben. Hunderttausende versammelten sich noch an jenem Abend auf dem Petersplatz, um dem Papst zu gedenken. In den letzten Jahren seines Lebens litt er zunehmend an gesundheitlichen Problemen, den Spätfolgen des auf ihn am 13. Mai 1981 verübten Attentats und hatte die Parkinson-Krankheit. In den letzten Wochen seines Lebens fiel ihm das Sprechen und Gehen zunehmend schwerer, trotzdem zeigte er sich den Gläubigen weiterhin.

Am 27. April 2014 hat Papst Franziskus ihn für sein Wirken zum Heiligen erhoben.

Bischof Bätzing über Papst Johannes Paul II.

 „Papst Johannes Paul II. ist und bleibt eine überragende Gestalt. Nicht nur, dass er sehr bald nach seinem Tod schon zu den Heiligen der Kirche zählt, auch die weltliche Geschichtsschreibung weist ihm zurecht einen unvergessenen Platz zu. Die Länge seines Pontifikates, das erkennbare Sendungsbewusstsein aus einer tiefen inneren Gottverbundenheit heraus, die schiere Zahl an Reisen in alle Kontinente, die Seligen und Heiligen aus aller Welt, die er zur Ehre der Altäre erhoben hat und nicht zuletzt seine programmatischen Lehrschreiben, die der Kirche im Zugehen auf die Jahrtausendwende Orientierung gaben, ergeben das Gesamtbild eines außergewöhnlich kraftvollen Mannes, der Denker, Politiker, Seelsorger und Gottesmann zugleich war.

Mit einem unmissverständlichen Plädoyer für die Freiheit des Menschen und gegen jegliche ideologische Vereinnahmung hat er vielen in politischen und gesellschaftlichen Befreiungsbewegungen Mut gemacht und sie unterstützt.

Aber ebenso klar war ihm, dass die menschliche Freiheit sich in der Bindung verwirklichen muss, deshalb war er in manchen lehramtlichen Äußerungen nicht zu Kompromissen bereit. Begriffe wie ‚Kultur des Todesʼ oder seine ‚Theologie des Leibesʼ bringen auf den Punkt, was ihm wichtig war; seine Wirkungsgeschichte ist lange noch nicht erschöpft.

Mehrmals bin ich Papst Johannes Paul II. als Seminarist und als junger Priester kurz begegnet und konnte seine wache Zugewandtheit und menschliche Wärme spüren. Wie vielen Menschen ist er im Laufe seines langen Lebens auf diese Weise begegnet und hat bleibende Eindrücke hinterlassen? Die bewegende Anteilnahme von Millionen von Menschen an seinem Sterben und an seinem Begräbnis sind für mich immer noch Zeichen des Dankes für die spürbare Ausstrahlung dieses einzigartigen Brückenbauers und Freundes Jesu Christi, des Erlösers aller Menschen.“

Gebetszettel

Zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Papst Johannes Paul II. ist ein Gebetszettel erschienen, der auch gut in Gebetbücher und das Gotteslob passt.

Der Gebetszettel umfasst vier Seiten: Vorne ist ein Portraitfoto des Papstes zu sehen, im Innenteil werden ein Zitat und die Lebensdaten genannt, auf der Rückseite ein Gebet.

Die Gebetszettel sind mit jeweils 100 Stück zu einer Verpackungseinheit zusammengepackt und können in der Rubrik Publikationen bestellt werden.
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