| Aktuelle Meldung | Nr. 007

Kardinal Marx zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung 2019 in Lingen

Zum Auftakt der Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, heute (11. März 2019) gesagt, es gehe jetzt darum, weitere konkrete Schritte umzusetzen, wie sie die im Herbst vorgestellte Missbrauchsstudie angeregt habe. Konkret wollten sich die Bischöfe mit dem Monitoring in Sachen Missbrauchsprävention, der Einrichtung von mehr unabhängigen Anlaufstellen für Opfer und der finanziellen Anerkennung des Leids befassen. Zudem gehe es um die „systemischen Gefährdungen in der Kirche“. Zu diesem Beratungskomplex gehören die Sexualmoral, die Macht von Geistlichen und die Lebensform der Priester. Die Frage des Zölibats werde dabei aber nicht unter dem Aspekt von Pro und Contra diskutiert. Kardinal Marx hat betont, dass mit einer jahrhundertealten Tradition so nicht umgegangen werden könne. Vielmehr gehe es um die Verbesserung von Aus- und Fortbildung von Priestern und die geistliche Begleitung von Klerikern. Kardinal Marx hat auch erläutert, warum bei der Versammlung der Bischofskonferenz keine Vertreter von Opfer-Organisationen eingeladen sind. Es gebe Beratungen der Bischöfe einerseits und Orte des Zuhörens andererseits. Den Opferverbänden komme eine besondere Bedeutung zu; sie verträten aber nicht alle Betroffenen.

Auch für eine aktive Frauenförderung in Kirche und Politik hat sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ausgesprochen. Kardinal Marx sagte, er sei früher ein Gegner von Frauenquoten gewesen, heute aber sehe er die Sache differenzierter. „Ich habe begriffen, dass man intensiv daran arbeiten muss, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu fördern, damit es auch geschieht“, so Kardinal Marx. Dass es mehr Frauen in Verantwortungspositionen gebe, geschehe nicht einfach von selbst.

Als Negativbeispiel hat der Münchner Erzbischof darauf verwiesen, dass im Bayerischen Landtag die Zahl der weiblichen Abgeordneten seit der letzten Wahl wieder rückläufig sei. Dagegen müsse man etwas tun. Wenn Frauen sich in besonderer Weise um die Familie kümmerten, dürfe dies nicht dazu führen, dass sie weniger Möglichkeiten zur Partizipation bekämen. Viele Forschungsergebnisse zeigten, dass die gemeinsame Arbeit von Männern und Frauen sich positiv auf die Arbeitsergebnisse auswirke. „Deshalb sollten wir auch im kirchlichen Bereich die Frauen stärker einbeziehen“, sagte Kardinal Marx. Zugleich erklärte der Kardinal, die Frage der Zulassung von Frauen zu kirchlichen Weiheämtern stehe bei der Vollversammlung in Lingen nicht auf der Tagesordnung: „Wir haben jetzt nicht die Agenda, hier alle aktuellen theologischen Streitfragen zu diskutieren. (...) Aber das Thema wird sicher im Rahmen der Diskussion auftauchen, und zwar berechtigterweise.“

Zu den weiteren Beratungsthemen der Bischöfe in Lingen gehörten Flucht und Migration, die Europawahl, eine Arbeitshilfe zum Thema „Populismus“ sowie ein Gemeinsames Wort der evangelischen und der katholischen Kirche zum Demokratieverständnis, das in Vorbereitung sei.