| Aktuelle Meldung | Nr. 001

Erklärung von Erzbischof Heße zur ad-hoc-Lösung für die 49 aus Seenot geretteten Flüchtlinge

„Europa muss endlich zu einer tragfähigen und solidarischen Lösung gelangen“

Angesichts der heute gefundenen ad-hoc-Lösung für die 49 aus Seenot geretteten Flüchtlinge auf dem Mittelmeer erklärt der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz und Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg):

„Während in Europa Weihnachten gefeiert wurde, kam es auf dem Mittelmeer zu dramatischen Szenen: Seit dem 22. Dezember 2018 mussten 32 aus Seenot gerettete Flüchtlinge – darunter auch Kinder – auf dem Schiff ‚Sea-Watch 3‘ ausharren. Weitere 17 Schiffbrüchige, die durch das Schiff ‚Professor Albrecht Penck‘ gerettet wurden, warteten seit dem 29. Dezember auf den Zugang zu einem sicheren Hafen. Zuletzt hatte sich die Situation auf den Schiffen zugespitzt: Wasser und Nahrung wurden knapp, der Gesundheitszustand einiger Geretteter verschlechterte sich, alle litten unter der enormen psychischen Belastung.

Papst Franziskus hat die europäischen Staats- und Regierungschefs vor wenigen Tagen eindringlich zu konkreter Solidarität aufgerufen. Ich bin froh, dass die Geretteten nun – nach langen Tagen des Bangens – endlich an Land gehen können. Den acht europäischen Staaten, die sich zur Aufnahme der schutzsuchenden Menschen bereit erklärt haben, darunter auch Deutschland, gilt mein Dank. Vor allem aber möchte ich den ehrenamtlichen Helfern danken, die den Geretteten auch unter widrigsten Bedingungen zur Seite standen.

Die Ereignisse der vergangenen Tage haben uns allen erneut vor Augen geführt: Auf dem Mittelmeer werden derzeit grundlegende humanitäre Errungenschaften infrage gestellt. Statt immer wieder um ad-hoc-Vereinbarungen zu ringen, muss Europa endlich zu einer tragfähigen und solidarischen Lösung gelangen. Mittlerweile haben zahlreiche europäische Städte ihre Bereitschaft erklärt, schutzsuchende Menschen aufzunehmen. Dies ist ein ermutigendes Signal dafür, dass eine faire Verantwortungsteilung in Europa gelingen kann.“