Der Synodale Weg

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Das Dossier stellt die ersten Schritte zusammen, wie es zur Idee des synodalen Wegs der Kirche in Deutschland kam und welche weiteren Schritte folgen werden.

Die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 11. bis 14. März 2019 in Lingen stand unter dem Eindruck der so genannten MHG-Studie zur Erhebung der Fälle sexuellen Missbrauchs im Bereich der katholischen Kirche, die schon die Herbst-Vollversammlung im September 2018 geprägt hatte.
Mehr lesen: Themenseite sexueller Missbrauch

In der Zeit bis zum Frühjahr 2019 hatten sich die deutschen Bischöfe in den Sitzungen des Ständigen Rates mehrfach mit der Frage befasst, welche Konsequenzen die MHG-Studie verlangt. Schon im September 2018 hatte die Vollversammlung erklärt: „Die für die katholische Kirche spezifischen Herausforderungen wie die Fragen nach der zölibatären Lebensform der Priester und nach verschiedenen Aspekten der katholischen Sexualmoral werden wir unter Beteiligung von Fachleuten verschiedener Disziplinen in einem transparenten Gesprächsprozess erörtern.“
Mehr lesen: Erklärung der deutschen Bischöfe vom 27.09.2018 in Fulda

Studientag der Frühjahrs-Vollversammlung 2019

Genau diesen Fragen ging ein Studientag während der Vollversammlung in Lingen nach, der unter dem Thema stand: „Die Frage nach der Zäsur – Studientag zu übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen“. Die dort gehaltenen Vorträge wurden auf dbk.de publiziert.
Mehr lesen: Studientag „Die Frage nach der Zäsur“

In Lingen wurde deutlich: Erschütterungen verlangen besondere Vorgehensweisen. Die Missbrauchsstudie und in ihrer Folge die Forderung Vieler nach Reformen zeigen: Die Kirche in Deutschland erlebt eine Zäsur. Der Glaube kann nur wachsen und tiefer werden, wenn man frei wird von Blockierungen des Denkens, wenn man sich der freien und offenen Debatte stellt und die Fähigkeit entwickelt, neue Positionen zu beziehen und neue Wege zu gehen.

Der Beschluss zum Synodalen Weg

Deshalb wurde in Lingen ein Synodaler Weg beschlossen. Man war überzeugt: Die Kirche braucht ein synodales Voranschreiten. Papst Franziskus empfiehlt es. Auch die Kirche in Deutschland fängt dabei nicht am Nullpunkt an. Die „Gemeinsame Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland“ („Würzburger Synode“, 1971 bis 1975), die „Pastoralsynode der Katholischen Kirche in der DDR“ (1973 – 1975) und auch der Gesprächsprozess der vergangenen Jahre haben den Boden bereitet, auch für viele Herausforderungen von heute.

Kardinal Reinhard Marx erklärte in der Abschluss-Pressekonferenz der Lingener Vollversammlung, dass man beschlossen habe, „einen verbindlichen synodalen Weg als Kirche in Deutschland zu gehen, der eine strukturierte Debatte ermöglicht und in einem verabredeten Zeitraum stattfindet und zwar gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Wir werden Formate für offene Debatten schaffen und uns an Verfahren binden, die eine verantwortliche Teilhabe von Frauen und Männern aus unseren Bistümern ermöglichen. Wir wollen eine hörende Kirche sein. Wir brauchen den Rat von Menschen außerhalb der Kirche.“

Weiter erläuterte Kardinal Marx, welche Aspekte beim synodalen Weg eine Rolle spielen sollen:

  • „Wir wissen um die Fälle klerikalen Machtmissbrauchs. Er verrät das Vertrauen von Menschen auf der Suche nach Halt und religiöser Orientierung. Was getan werden muss, um den nötigen Machtabbau zu erreichen und eine gerechtere und rechtlich verbindliche Ordnung aufzubauen, wird der Synodale Weg klären. Der Aufbau von Verwaltungsgerichten gehört dazu.
  • Wir wissen, dass die Lebensform der Bischöfe und Priester Änderungen fordert, um die innere Freiheit aus dem Glauben und die Orientierung am Vorbild Jesu Christi zu zeigen. Den Zölibat schätzen wir als Ausdruck der religiösen Bindung an Gott. Wie weit er zum Zeugnis des Priesters in unserer Kirche gehören muss, werden wir herausfinden.
  • Die Sexualmoral der Kirche hat entscheidende Erkenntnisse aus Theologie und Humanwissenschaften noch nicht rezipiert. Die personale Bedeutung der Sexualität findet keine hinreichende Beachtung. Das Resultat: Die Moralverkündigung gibt der überwiegenden Mehrheit der Getauften keine Orientierung. Sie fristet ein Nischendasein. Wir spüren, wie oft wir nicht sprachfähig sind in den Fragen an das heutige Sexualverhalten.“

Kardinal Marx fügte hinzu: „Geeignete Formate zur Klärung von Neuausrichtung und Veränderung werden wir in diesem Jahr bei der Vorbereitung des synodalen Prozesses suchen. Dazu gehören bereits jetzt auf der Vollversammlung verabredete Foren, die sich den zuvor genannten drei Punkten widmen werden: Das Forum „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“ wird von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) verantwortet, das Forum „Sexualmoral“ von Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg) und das Forum „Priesterliche Lebensform“ von Bischof Dr. Felix Genn (Münster).“ Mit einem Beschluss des Ständigen Rates vom 25. Juni 2019 und von der Gemeinsamen Konferenz am 5. Juli 2019 bestätigt ist ein viertes Forum Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche hinzugekommen, für das Bischof Dr. Franz-Josef Bode zuständig sein wird.

Die Foren und ihre Teilnehmenden

Forum Macht, Partizipation und Gewaltenteilung

  • Prof. Dr. Franz Xaver Bischof, Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), München
  • Dr. Christoph Braß, Vizepräsident ZdK, Berlin
  • Prof. Dr. Heinz Bude, Soziologie, Universität Kassel, Kassel
  • Andrea Fischer, Leiterin des bischöflichen Beraterstabes in Fragen sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim
  • Luisa Fischer, Vorsitzende des Katholikenrats im Bistum Speyer
  • Bischof Dr. Gebhard Fürst, Rottenburg-Stuttgart
  • Prof. Dr. Manfred Gerwing, Dogmatik, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Eichstätt   
  • Bischof Dr. Gregor Maria Hanke, Eichstätt
  • Prof. Dr. Gregor Maria Hoff, Fundamentaltheologie, Universität Salzburg, Salzburg
  • Prof. Dr. Julia Knop, Dogmatik, Universität Erfurt, Erfurt
  • Pater Manfred Kollig SSCC, Generalvikar, Berlin
  • Prof. Dr. Ulrike Kostka, Diözesancaritasdirektorin, Berlin
  • Dr. Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin ZdK, AGEH e. V., Köln
  • Alina Rafaela Oehler, Journalistin, Memmingen/Allgäu
  • Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Essen
  • Prof. Dr. Thomas Söding, Exegese, RUB, Bochum
  • Prof. Dr. Tine Stein, Politikwissenschaft, Georg August Universität Göttingen
  • Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Speyer
  • Prof. Dr. Myriam Wijlens, Kirchenrecht, Universität Erfurt, Erfurt

Forum „Sexualmoral“

  • Thomas Andonie, BDKJ-Bundesvorsitzender, Düsseldorf
  • Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Osnabrück
  • Bischof Dr. Georg Bätzing, Limburg
  • Weihbischof Herwig Gössl, Bamberg
  • Erzbischof Dr. Heiner Koch, Berlin
  • Prof. Dr. Johannes Brantl, Universität Trier
  • Dr. Hildegard Kaulen, Wiesbaden
  • Wolfgang Klose, Vizepräsident ZdK, Bonn
  • Dr. Martina Kreidler-Kos, Bistum Osnabrück
  • Lisi Maier, BDKJ-Bundesvorsitzende, Berlin
  • Nadine Mersch, SkF-Zentrale, Dortmund
  • Birgit Mock, familienpolitische Sprecherin ZdK, Bonn
  • Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Universität Freiburg
  • Dr. Irme Stetter-Karp, Deutscher Caritasverband, Stuttgart
  • Dr. Markus Wonka, Bistum Münster (Vechta)

Forum „Priesterliche Lebensform“

  • Ursula Becker, Gemeinschaft Christlichen Lebens, Aachen
  • Stephan Buttgereit, Geschäftsführer SKM, Mitglied des Vorstands der AGKOD, Haltern am See
  • Bischof Dr. Felix Genn, Münster
  • Bischof Dr. Peter Kohlgraf, Mainz
  • Bischof Wolfgang Ipolt, Görlitz
  • P. Stephan Kessler SJ, Köln
  • Sr. Dr. Katharina Kluitmann OSF, Lüdinghausen
  • Dr. Bettina-Sophia Karwath, Beilngries
  • Michaela Labudda, Bundesverband der GemeindereferentInnen und ReligionslehrerInnnen, Unna
  • Prof. Dr. Philipp Müller, Mainz
  • Prof. Dr. Joachim Söder, Mitglied des Vorstands der AGKOD, Schönstatt

Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“

Hinweis: Die Besetzung dieses Forums steht noch nicht fest. Informationen folgen.

Wie geht es weiter?

In Lingen kündigte Kardinal Marx an, dass es eine Art Zwischenbericht bei einer Konferenz am 13. und 14. September 2019 geben werde. In einer gemeinsamen Zusammenkunft von Bischöfen, Mitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und weiterer Personen wird dabei die Ausgestaltung des synodalen Wegs angestoßen. Bis dann werden auch Zeitpunkt und Dauer der strukturierten Debatten klar sein.

Die Beratungen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat sich auf seiner Vollversammlung am 10./11. Mai 2019 in Mainz mit der Frage des Synodalen Wegs der Kirche in Deutschland befasst. Mit deutlicher Mehrheit stimmte die Vollversammlung dafür, diesen Weg konstruktiv mit zu gestalten. Das Präsidium und der Hauptausschuss wurden von der Vollversammlung beauftragt, die Planungen mit der Deutschen Bischofskonferenz in verbindlicher Zusammenarbeit und unter gemeinsamer Leitung fortzusetzen, dafür die nötigen personellen und finanziellen Mittel bereitzustellen und die Vernetzung der Vertreterinnen und Vertreter des ZdK sicherzustellen.“ Der nächsten Vollversammlung solle die konkrete Gestalt des Synodalen Wegs zur „erneuten Entscheidung über die Mitwirkung des ZdK vorgelegt“ werden.
Mehr lesen: Zur Internetseite des ZdK

Der Brief von Papst Franziskus vom 29. Juni 2019
Papst Franziskus hat – zum ersten Mal in der Geschichte der Gegenwart – einen Brief an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ geschrieben. Dieser Brief greift auch das Anliegen des Synodalen Weges auf. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, haben diesen Brief gemeinsam kommentiert. Den Brief von Papst Franziskus und die Erklärung von Kardinal Marx und Prof. Sternberg finden Sie hier.

Die Gemeinsame Konferenz am 5. Juli 2019
Kardinal Reinhard Marx und Prof. Dr. Thomas Sternberg bekräftigen den eingeschlagenen Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland anlässlich der Sitzung der Gemeinsamen Konferenz von Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des ZdK in Bonn.
Pressemitteilung 5. Juli 2019