Roman und Film behaupten:
Auf dem Konzil von Nizäa sei auf Initiative Kaiser Konstantins die Göttlichkeit Jesu durchgesetzt worden, durch Abstimmung und mit ziemlich knapper Mehrheit. Bis dahin sei Jesus nur als ein großer und mächtiger, aber sterblicher Mensch angesehen worden. Kaiser Konstantin blieb Heide, der erst auf dem Totenbett getauft wurde. Er habe aber begriffen, dass das Christentum im Kommen war, und "auf das schnellste Pferd" gesetzt.
Die Fakten:
Das erste Konzil von Nizäa fand im Jahr 325 auf Initiative des römischen Kaisers Konstantin (römischer Kaiser 306-337) in Nizäa statt. Nizäa (heute türkisch Iznik) liegt in der Nähe der neuen Residenzstadt Kaiser Konstantins, also in der Nähe von Byzanz bzw. Konstantinopel (heute Istanbul) in der heutigen Türkei. Das Konzil von Nizäa stellte fest, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, "wesensgleich" ist mit Gott dem Vater, was die Göttlichkeit betrifft. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa wurde auf dem ersten Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 um einen Text, der den Heiligen Geist betrifft, ergänzt und ist bis heute das grundlegende Glaubensbekenntnis aller christlichen Kirchen in Ost und West (andere Bezeichnungen: Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, Credo, Großes Glaubensbekenntnis, Symbolum Nicaenum – so etwa in den lutherischen Bekenntnisschriften und in der h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach).
Die dem Konzil von Nizäa vorausgegangenen Auseinandersetzungen betrafen die Frage nach dem genauen Charakter der Göttlichkeit Jesu Christi, des Sohnes Gottes.
Arius (griechisch Areios) (* 256, † 336), der aus der ägyptischen Stadt Alexandrien stammte, hatte behauptet, Christus sei zwar ein Gott ähnliches Wesen und damit das höchste aller Geschöpfe, aber eben geschaffen und deshalb Gott dem Vater untergeordnet. Christus stehe damit zwischen Gott und den Menschen. Da diese später "Arianismus" genannte Position vielfach als theologisch plausibel angesehen wurde, kam es in der Kirche zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen.
Zum Konzil von Nizäa, auf dem diese Frage geklärt werden sollte, hatte Kaiser Konstantin alle Bischöfe des römischen Reiches eingeladen. Von den etwa 1800 eingeladenen Bischöfen nahmen 250 bis 300 teil, vornehmlich aus dem Osten des Reiches. Der Papst, also der Bischof von Rom, war nicht persönlich anwesend, sondern ließ sich durch zwei Priester bzw. Presbyter vertreten. Das Konzil von Nizäa ist das erste "Ökumenische Konzil", also das erste Konzil, bei dem die ganze damalige Kirche repräsentiert war. Es ist für die weltweite Kirche bis heute gültig. Wie auch die folgenden sechs Ökumenischen Konzilien fand es im Osten des Römischen Reiches statt, nicht in Rom und nicht in einer damals unmittelbar dem Bischof von Rom zugeordneten Stadt oder Region.
Auf dem Konzil standen sich letztlich zwei Positionen gegenüber: Christus, der Sohn Gottes, ist Gott "wesensähnlich" (griechisch = homoiousios), so die Position von Arius und seinen Anhängern. Seine Gegner, unter ihnen der spätere Bischof von Alexandrien, Athanasius, vertraten die Auffassung, dass Christus Gott "wesensgleich" (homoousios) ist. Die Gegenüberstellung macht deutlich, dass auch für Arius Christus bzw. der Sohn Gottes mehr war als bloß ein "sterblicher Mensch". Das Konzil hat sich mit überwältigender Mehrheit für die Position der Wesensgleichheit entschieden (lateinisch = consubstantialis, "eines Wesens mit dem Vater"). Nur zwei Bischöfe haben nicht zugestimmt.
Indem das Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 in seiner Lehre über die Göttlichkeit des Heiligen Geistes das Bekenntnis von Nizäa zum Ausgangspunkt nahm, wurde dieses Glaubensbekenntnis zur entscheidenden Glaubensgrundlage für die dann folgenden Konzilien und für die ganze Kirche.
Mit Kaiser Konstantin (geboren zwischen 270 und 288, Kaiser seit 306, Alleinherrscher seit 324, gestorben 337) beginnt ein radikaler Wandel in der Einstellung der römischen Kaiser gegenüber dem Christentum. Noch sein unmittelbare Vorgänger, Kaiser Diokletian (Kaiser 284-305), hatte versucht, in einer blutigen Christenverfolgung das Christentum zu vernichten. Konstantins Position ist auf Duldung, dann entschieden auf Integration des Christentums gerichtet. Nach seinem Sieg an der Milvischen Brücke in Rom (312) "im Zeichen des Kreuzes" (nach einer angeblichen oder tatsächlichen Traumvision ließ Kaiser Konstantin ein Christusmonogramm auf den Schilden seiner Soldaten anbringen) ist Konstantin maßgeblich am Toleranzedikt von Mailand aus dem Jahr 313 beteiligt. Auf Grund dieses Toleranzedikts erhielt das Christentum den Status einer erlaubten Religion. Nach der Verlegung des Machtzentrums in den Osten des Reiches fördert Konstantin die Kirche in vielfältiger und großzügiger Weise. Sein Engagement zu Gunsten der Kirche um das Konzil von Nizäa und um einen gemeinsamen Ostertermin (die heutige Differenz zwischen Osten und Westen beim Ostertermin resultiert aus der Differenz von julianischen und gregorianischen Kalender) entsprach dem großen Sendungsbewusstsein Konstantins und auch dem Selbstverständnis der römischen Kaiser als denjenigen, die die oberste Verantwortung für die Religion im römischen Reich trugen.
Wieweit sich Konstantin selbst als Christ verstand, ist im Einzelnen nicht leicht zu entscheiden. Der christliche Glaube an den einen Gott kam zentralen religiösen Überzeugungen "von einem höchsten Gott" Kaiser Konstantins entgegen (in diesem Zusammenhang sind auch frühere Vorstellung des Kaisers vom "Sol invictus" zu sehen, der "unbesiegten Sonne"). Konstantin sah im Christentum eine neue, tragende religiöse Grundlage für das römische Reich, um dessen Reform er intensiv bemüht war. Die Bemerkung in Dan Browns Roman, Konstantin habe gemerkt, "dass das Christentum im Kommen war", gehört wahrscheinlich zu den wenigen historisch zuverlässigen Feststellungen dieses Romans. Man darf aber Konstantins Entscheidung nicht als bloßen Opportunismus missverstehen. Das Faktum einer Taufe erst auf dem Totenbett allein muss nicht gegen den christlichen Glauben des Kaisers sprechen. Angesichts der damals strengen Bußpraxis war dies in der alten Kirche vielfache Praxis.